
Weil GMP nicht nur einzelne Messwerte, sondern den kontinuierlichen Nachweis eines unter Kontrolle stehenden Reinraums verlangt, schreibt der Annex 1 Trendanalysen vor.
Grundgedanke
Der Annex 1 verfolgt das Ziel, Kontaminationen frühzeitig zu erkennen und das Kontaminationsrisiko für sterile Produkte dauerhaft zu minimieren. Einzelne Messpunkte (z.B. Tageswerte) reichen dafür nicht aus, da schleichende Verschlechterungen, saisonale Effekte oder systematische Probleme oft nur über Zeitreihen sichtbar werden. Durch Trendanalysen werden Muster (zunehmende Partikel‑ oder Keimzahlen, häufiger werdende Alarme, veränderte Keimflora) erkannt, bevor Alert‑ oder Action‑Limits überschritten werden, sodass präventive Maßnahmen möglich sind. Dieser Ansatz entspricht dem in Annex 1 geforderten Quality‑Risk‑Management und der Contamination Control Strategy (CCS), die eine datengestützte, risikobasierte Steuerung der Reinraumprozesse verlangt.
Formale Verankerung des Trendings im Annex 1
Die aktuelle Fassung des Annex 1 definiert, dass Trendanalysen über die Umwelt‑ und Prozessmonitoringdaten notwendig sind, um Systemverschlechterungen und Kontaminationsrisiken frühzeitig zu erkennen. Partikel, KBE, weitere Raumparameter sowie Alarm‑ und Störmeldungen aus Anlagen und Monitoring‑Systemen müssen in Zeitreihen überprüft und bewertet werden.
Kontinuierliches Reinraum‑Monitoring vs. mobiles Reinraum-Monitoring
Auch mobile Monitoring‑Methoden (z.B. portable Partikelzähler, aktive Luftkeimsammler, Abklatschproben) unterliegen den Trending‑Anforderungen, da Annex 1 das gesamte Environmental Monitoring – nicht nur kontinuierliche Systeme – auf einen lebenszyklus‑ und trendbasierten Ansatz ausrichtet. Daten aus portablen Geräten und Probenahmen müssen so erfasst und gespeichert werden, dass sie nach Ort, Zeitpunkt, Tätigkeit und Reinraumstatus (at rest / in operation) getrendet werden können. Damit lassen sich etwa steigende Keimzahlen an bestimmten Stellen, wiederkehrende lokale Hotspots, Veränderungen der Keimflora sowie Unterschiede zwischen „at rest“ und „in operation“ systematisch erkennen. Der Annex 1 erwartet, dass diese Trends in regelmäßige EM‑Reviews und CCS‑Bewertungen einfließen und als Grundlage für Anpassung von Samplingplan, Limits, Reinigung/Desinfektion und Schulungsmaßnahmen dienen.


