CleanroomProcesses

Lounges 2024 Karlsruhe
Fachvortrag
24. April 2024
Raum: 1
11:00
-
11:30 Uhr
Annex 1 aus der Sicht des Anlagenbauers für die RR-Technik
Vortrag wird aufgezeichnet!
Vortrag wird aufgezeichnet!

Stichpunkte:

Schleusen Personal und Material
Visualisierung mit Videonachweis
Dichtheit des Containments
Nachweismessungen
RABS / Isolator / Barriere-Systeme

Im neuen Annex 1 gibt es einige Änderungen die speziell für die Planer, Errichter und Dienstleister für den Reinraum (Raum-, Schleusenkonzepte und Barrieresysteme), Luftführung, Qualifizierung und Requalifizierung beachtet werden müssen.
Es gilt
Kapitel 4.11 „Nach A und B sollte unidirektional geschleust werden. Falls das nicht möglich ist, sollen die Schleusenvorgänge zeitlich voneinander getrennt werden.“ Hier müssen konstruktive Lösungen gefunden werden, die möglichst Raum und prozessoptimiert sind. Ist die „geforderte“ Lösung nicht möglich muss über Risikoanalysen und entsprecheden Verfahrensanweisungen eine Lösung beschrieben werden.
Kapitel 4.12 „PS/MS sollten nach Möglichkeit voneinander getrennt werden. Die Schleusen sollten von gefilterter Luft wirksam durchströmt werden.“ Passive Materialschleusen sind damit nicht mehr „zulässig“.
Kapitel 4.13 „Schleusen zur Aufrechterhaltung der Bereichstrennung, sollten eine Zeitverzögerung zwischen Schließen und Öffnen der Türen aufweisen.“ In vielen Anlagen bereits stand der Technik.
Kapitle 4.14 Die Raumdruckdifferenz zwischen Räumen unterschiedlicher Klasse sollte mindestens 10 Pa, entgegen der alten Version 10-15 Pa. In der bisherigen Vorgehensweise wurden Druckstufen von 15 Pa gewählt. Nach dem aktuellen Guideline sind auch Druckstufen von 10Pa möglich.
Kapitel 4.15 „Luftführung soll im Ruhezustand und Betriebszustand visualisiert und als Videoaufzeichnung dokumentiert werden.
Nachweis, dass
- die Luft nicht aus einer niedrigeren RR Klasse in eine höhere strömt, gemäß Druck-Kaskade.
- die Luft nicht über unreinere Bereiche (z.B. über den Boden) in reinere Bereiche strömt
- ein Unidirektionaler Luftstrom (z.B. Klasse A) existiert
- bei Wandöffnungen für Förderbänder zwischen Klasse B und C keine Luft aus der niedrigeren RR Klasse in die höhere strömt
Kapitel 4.17 „Beobachtung der Produktionstätigkeiten in A und B von außerhalb ermöglichen (z.B. Fenster oder Kamera).“ Prozesskritische Vorgänge müssen einsehbar sein
Kapitel 4.25 IX „Dichtheitsprüfung des Containments“ Normativ gibt es zu diesem Punkt Vorgaben aus der ISO 14644 und aus der VDI 2083. Die Schwierigkeit aus diesem Punkt besteht in der Bewertung, was muss wer wie machen.
Kapitel 4.26 „Requalifizierung muss auch während simulierter Prozesse ablaufen.“ Der Reinheitsklassennachweis ist während der Requalifizierung während simulierter Arbeitsprozesse durchzuführen. Hierzu ist während der Prüfungen die Anwesenheit des Personals notwendig.
Kapitel 4.27 „Klassifizierung von Reinräumen“ Die Tabelle für die Grenzwerte der Reinheitsklassen wurden an die DIN EN ISO 14644 angepasst.
Kapitel 4.28 „Zusätzliche Probenahmestellen über DIN EN ISO 14644-1 hinaus in A und B möglich.“ Es muss eine risikobasierte Bewertung / Abstimmung erfolgen, ob mehr Messpunkte prozessorientiert gewählt werden, wie in der ISO 14644 vorgegeben
Kapitel 4.29 „Messungen im „Betriebszustand“ mit max. Anzahl der Mitarbeiter.“
Sowohl bei der Qualifizierung, wie auch bei der Requalifizierung müssen realitätsnahe Bedingungen geschaffen werden für die Prüfungen unter Produktionsbedingungen
Ein ganz wichtiger Punkt, indirekt ein „Worstcase“ Bewertung, Stresstest
Kapitel 4.29 „Clean Up Zeit < 20 Min.“ Die 20 Minuten sind nun fix, nicht mehr 15-20min als „Richtwert“, wichtig ist auch hier zu beachten, das die Prüfbedinungen reproduzierbar sind. Kapitel 4.30 „Geschwindigkeit unidirektionaler Luftströme muss begründet werden, wenn nicht 0,36-0,54 m/s eingehalten werden. Visualisierungsergebnisse müssen mit der Luftgeschwindigkeit korrelieren“ Es gibt die Möglichkeit von den „0,45m/s“ abzuweichen, wenn dies technisch notwendig ist, zu besseren Ergebnissen führt…. Alles muss risikobasiert bewertet und die Funktion, Erreichung der Schutzziele muss nachgewiesen werden. Kapitel 4.31 „Mikrobiologische Prüfungen müssen im Ruhezustand und im Betriebszustand durchgeführt werden.“ Die Grenzen sind definiert, aber der einfach Weg über eine feste Mindestvorgabe an Messpunkten ist nicht gegeben. Hier gilt nach wie vor ein risikobasierter Ansatz. Kapitel 4.31 Die Grenzwerte für die Mikrobiologie wurden angepasst dahingehend, das die Handschuhtests nicht direkt aufgeführt werden jedoch werden in der Tabelle 6 die Grenzwerte definiert. Kapitel 4.31 Die Vorgaben für Anwendung von Sedimentationsplatten wurden genauer definiert. Kapitel 4.32 Requalifizierungsvorgaben wurden genauer definiert. Die Frequenz für die Wiederholung wird mit 6 Monaten für A und B Bereiche und 12 Monate für C und D Bereiche definiert. Es wir ebenfalls hervorgehoben, das auch nach Wartungsarbeiten, Abschaltung des Luftstroms etc. eine Requalifizierung durchgeführt werden muss. Kapitel 4.33 Die Desinfektion der Reinräume muss nach einem schriftlich festgelegten Programm erfolgen. Erst reinigen, dann desinfizieren. Es sollten mehrere Typen von Desinfektionsmitten verwendet werden. Kapitel 5.1 Ein ganz wichtiger Punkt für die Anlagenbauer, es muss eine detaillierte Beschreibung der Anlagenplanung vorliegen. Kapitel 9 Monitoring, grundsätzlich hat sich an den Monitoringvorgaben wenig Änderungen ergeben. Was auffällt ist, dass bei Monitoring in A Bereichen die Partikelgröße 5µm weiter hin gemessen und bewertet werden muss. Eine Änderung im Annex 1 ist die Einordnung und der Barriere Systemen wie RABS (Restricted Access Barrier System) und Isolator. Kapitel 2.1 Geeignete Systeme, z.B. RABS sollen für den Schutz des Produktes in Betracht gezogen werden. Kapitel 4.3 RABS oder Isolatoren bieten einen Vorteil, die erforderlichen Bedingungen im Rahmen der Räumlichkeiten zu gewährleisten. Alternative Ansätze sollten begründet werden. Kapitel 4.4 Der für die Reinheitsklasse A geforderte gerichtete Luftstrom ist in RABS oder Isolatoren sichergestellt. Die Reinheitsklasse B ist der Hintergrundreinraum für RABS Systeme. Isolatoren können auch in Räumen einer niedrigeren Reinheitsklasse als B eingesetzt werden, z.B. Klasse C oder D. Kapitel 4.18 Isolatoren und RABS sollten so ausgelegt sein, dass ihre Reinheitsklasse A auch bei den Prozessen vor der Umgebung, z.B. Schleusen geschützt wird. Kapitel 4.19 Es können offene Isolatoren, geschlossene Isolatoren, Unterdruck-Isolatoren und RABs eingesetzt werden. Kapitel 4.20 Die Hintergrundumgebung muss für offene Isolatoren mindestens Reinheitsklasse C entsprechen und für geschlossene Isolatoren Reinheitsklasse D sein. Die Entscheidung für eine Hintergrundumgebung sollte auf einer Risikobewertung beruhen. Die Hintergrundumgebung für ein RABS sollte mindestens der Reinheitsklasse B entsprechen. Kapitel 4.22 Die Dekontaminationsmethoden für Barrieresysteme müssen festgelegt werden. Kapitel 4.23 RABS und Isolatoren für die Herstellung steriler Produkte müssen qualifiziert werden. Kapitel 8.9 Bei Aseptischen Herstellungsprozessen sollten Ausrüstungen wie RABS, Isolatoren und andere Systeme, wo immer möglich in Betracht gezogen werden, um den Bedarf an kritischen Eingriffen in die Reinheitsklasse A zu verringern und das Kontaminationsrisiko zu minimieren. Die oben aufgeführten Punkte sind nur auswahl aus dem Annex 1 und betreffen vorrangig die Anlagentechnik (Klimatechnik), Raumplanung (Schleusenkonzepte) und die Qualifizierung, Requalifizierung der Räume für die Erreichung und den Nachweis der Notwendigen Schutzziele für die aseptische Herstellung. Alle Maßnahmen müssen risikobasiert abgestimmt werden. Der Betreiber muss für sich den Weg zur Erreichen des notwendigen Produktschutzes wählen und dabei unter anderem folgende Faktoren beachten: - Risiko für das Produkt - Risiko für den Bediener und die Umwelt- - Effektivität des Produktionsprozesses - Energieaufwand Der Annex 1 hat viele Punkte nachgeschärft, genauer definiert und leider auch neue Fragen aufgeworfen.

Haupt-Referent*in:
Steffen Röhm
Weiss Klimatechnik GmbH