Fachvortrag
Rückstände von Desinfektionsmitteln in Reinräumen – Managem
Vortrag wird aufgezeichnet!
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Diese Präsentation untersucht die Beschaffenheit, Risiken und Kontrolle von Desinfektionsmittelrückständen in Reinraumumgebungen, wobei der Schwerpunkt auf regulatorischen Anforderungen, mikrobiologischen Auswirkungen und validierten Strategien zur Risikominderung liegt.
1. Beschaffenheit und Risiken von Desinfektionsmittelrückständen
Desinfektionsmittelrückstände sind nichtflüchtige Substanzen, die nach der Anwendung auf Oberflächen zurückbleiben, mit Ausnahme von Alkoholen und Wasserstoffperoxid, die praktisch rückstandsfrei sind. Rückstände entstehen sowohl durch Desinfektionsmittel als auch durch Reinigungsmittel und können sich im Laufe der Zeit schrittweise und nicht linear ansammeln. Ihre Anwesenheit birgt mehrere Risiken: Beeinträchtigung der nachfolgenden Desinfektionswirksamkeit, nachteilige Auswirkungen auf die Medienneutralisierung, potenzielle Unterstützung des Überlebens oder Wachstums von Mikroorganismen, Oberflächenkorrosion, Gesundheits- und Sicherheitsprobleme sowie Übertragung auf Produktkontaktbereiche.
2. Regulatorischer und GMP-Kontext
GMP Anhang 1 (2022) bekräftigt ausdrücklich die Erwartung, dass Reinigungsprogramme Desinfektionsmittelrückstände entfernen und dass Reinigung und Desinfektion unterschiedliche, validierte Aktivitäten sind. Die behördliche Kontrolle nimmt zu: Die Analyse der FDA 483-Beobachtungen zeigt rückstandsbezogene Befunde in ~27 % der zitierten Fälle.
3. Prävalenz und Eigenschaften von Rückständen in der Praxis
Contac-Bewertungen zur Kontaminationskontrolle in Pharma-, Biotech- und Gesundheitseinrichtungen haben gezeigt, dass Rückstände an fast allen Standorten beobachtet wurden, meist im Zusammenhang mit der Verwendung von quartären Ammoniumverbindungen (QAC).
4. Rückstandsbildung, -ansammlung und -entfernung
Die Rückstandsbelastung korreliert nicht linear mit der Wirkstoffkonzentration oder den Marketingaussagen zu „geringen Rückständen“. Die EP-Rückstandsprüfung bei Verdunstung (RoE) liefert einen nützlichen Vergleichswert für den ungünstigsten Fall, aber es gibt keine einheitliche Definition für „geringe Rückstände“ über Alkohole und Wasserstoffperoxid hinaus. Wichtig ist, dass Rückstände, die anfangs leicht abwaschbar sind, mit der Zeit aufgrund von Oberflächenbindung immer schwieriger zu entfernen sein können.
5. Validierungs- und Minderungsstrategien
Eine wirksame Rückstandskontrolle erfordert einen risikobasierten, validierten Ansatz innerhalb der Kontaminationskontrollstrategie (CCS). Zu den wichtigsten Elementen gehören:
o Verständnis der Rückstandsbildung durch RoE- und Oberflächenuntersuchungen
o Auswahl geeigneter Entfernungsmittel (Wasser, IPA, Reinigungsmittel) auf der Grundlage der Rückstandschemie und der Oberflächenverträglichkeit
o Validierung der Rückstandsentfernung auf Oberflächen im ungünstigsten Fall unter Verwendung routinemäßiger SOPs
o Festlegung der Häufigkeit und des Zeitpunkts der Rückstandsentfernungsphasen
o Erkennen, dass eine Solubilisierung mit anschließender Entfernung durch Trockenwischen effektiver ist als gesättigte Tücher allein
Gesamtfazit: Desinfektionsmittelrückstände stellen ein weit verbreitetes, unzureichend kontrolliertes Risiko mit mikrobiologischen, betrieblichen und regulatorischen Auswirkungen dar. Während die Behauptung „rückstandsfrei” nur unzureichend definiert ist, sind Rückstände, die leicht zu entfernen („frei spülbar”) sind und durch validierte Prozesse proaktiv verwaltet werden, aus Sicht der Qualitäts- und Kontaminationskontrolle aussagekräftiger.

Referent*innen:
Karen Rossington